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Juristische Übersetzung türkischer Urteile, Verträge und Vollmachten

Urteile, Erbnachweise, Verträge und Vollmachten Türkisch–Deutsch: Fachbegriffe, Rechtskraft, Form für Gericht und Behörde. Hacettepe Übersetzungen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Rechtstexte verlangen funktionale Entsprechungen: Ein türkisches Gericht hat nicht immer ein deutsches Gegenstück.
  • Bei Urteilen zählt der Rechtskraftvermerk (kesinleşme şerhi) ebenso wie der Tenor.
  • Für deutsche Gerichte ist oft ein in Deutschland zugelassener Übersetzer vorgeschrieben.
  • Vollmachten für die Türkei, etwa für das Grundbuchamt, haben strenge Formvorgaben.
Die Schritte
Die Schritte1Zweck und Stelleklären2VollständigesDokument senden3Fachbegriffefestlegen4Übersetzen undgegenlesen5Beglaubigen,ggf. Apostille
  1. Zweck und Stelle klären
  2. Vollständiges Dokument senden
  3. Fachbegriffe festlegen
  4. Übersetzen und gegenlesen
  5. Beglaubigen, ggf. Apostille

Ein Scheidungsurteil, ein Erbnachweis, ein Kaufvertrag oder eine Vollmacht: Juristische Dokumente zwischen der Türkei und Deutschland folgen eigenen Regeln. Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Begriffe heikel sind, welche Form Gerichte und Behörden verlangen und wie Sie Ihr Dokument vorbereiten.

Warum Rechtstexte anders übersetzt werden

Ein Rechtsbegriff steht für ein Verfahren, eine Zuständigkeit oder eine Rechtsfolge. Ein Wort-für-Wort-Ersatz reicht daher selten. Das türkische Asliye Hukuk Mahkemesi ist ein Zivilgericht erster Instanz, aber kein Amtsgericht und kein Landgericht im deutschen Sinn. Eine gute Übersetzung wählt eine funktionale Entsprechung und lässt den türkischen Namen in Klammern stehen. So kann die deutsche Stelle das Gericht einordnen, ohne dass die Übersetzung etwas Falsches behauptet.

Genauso wichtig ist der Aufbau. Ein türkisches Urteil beginnt mit den Angaben zu Gericht, Aktenzeichen (esas und karar), Parteien und Vertretern. Danach folgen Sachverhalt, Begründung und der Tenor (hüküm). Die Übersetzung behält diese Reihenfolge bei. Wer später nach dem Tenor sucht, findet ihn an derselben Stelle wie im Original.

Begriffe, die oft Fragen auslösen

Türkische Rechtsbegriffe und ihre übliche deutsche Wiedergabe
TürkischÜbliche WiedergabeHinweis
Aile MahkemesiFamiliengerichtZuständig für Scheidung und Sorgerecht
Kesinleşme şerhiRechtskraftvermerkOhne ihn gilt ein Urteil als nicht rechtskräftig belegt
Mirasçılık belgesi / veraset ilamıErbnachweis, ErbscheinInhalt entspricht nicht immer dem deutschen Erbschein
VekaletnameVollmachtFür Grundbuchgeschäfte meist notarielle Form nötig
YargıtayKassationshofOberstes Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit
Bölge Adliye MahkemesiRegionales BerufungsgerichtZweite Instanz seit der Reform von 2016

Bei Erbnachweisen ist Vorsicht geboten. Ein türkischer mirasçılık belgesi nennt die Erben und ihre Anteile. Ob eine deutsche Bank oder ein deutsches Nachlassgericht ihn annimmt, entscheidet die Stelle. Die Übersetzung kann nur genau sagen, was im Original steht, und sie soll keine deutsche Rechtsfolge hineinlesen.

Welche Form deutsche Gerichte verlangen

Die Gerichtssprache in Deutschland ist Deutsch (§ 184 GVG). Legt eine Partei ein türkisches Urteil vor, kann das Gericht eine Übersetzung anordnen. In diesem Fall verlangt es meist die Übersetzung eines Übersetzers, der in einem Bundesland zugelassen ist. Eine in der Türkei notariell beglaubigte Übersetzung genügt dafür in der Regel nicht. Wir sagen Ihnen das vor dem Angebot. Mehr dazu steht auf der Seite zur beglaubigten Übersetzung Türkisch–Deutsch.

Anders ist es, wenn eine deutsche Behörde das Dokument nur zur Kenntnis nimmt oder wenn Sie selbst den Inhalt verstehen möchten, etwa bevor Sie einen Anwalt beauftragen. Dann kann eine Übersetzung aus der Türkei sinnvoll sein. Sagen Sie uns bitte, wofür Sie die Übersetzung brauchen. Davon hängen Form und Umfang ab.

Vollmachten und Verträge für die Türkei

Viele Menschen in Deutschland brauchen eine Vollmacht für die Türkei, etwa um eine Wohnung zu verkaufen, ein Erbe anzunehmen oder einen Anwalt zu beauftragen. Für Geschäfte beim Grundbuchamt (tapu müdürlüğü) ist meist eine notarielle Vollmacht nötig. Sie haben zwei Wege: Das türkische Konsulat in Deutschland nimmt Vollmachten türkischer Staatsangehöriger auf, oder ein deutscher Notar beurkundet die Vollmacht. Im zweiten Fall folgen Apostille und Übersetzung ins Türkische.

Prüfen Sie den Wortlaut vorab mit der Person in der Türkei, die die Vollmacht verwendet. Grundbuchämter und Banken verlangen oft bestimmte Befugnisse ausdrücklich, zum Beispiel das Recht, den Kaufpreis entgegenzunehmen. Eine zu allgemeine Vollmacht wird nicht selten abgelehnt. Wie das Konsulat Vollmachten aufnimmt, erklärt die Seite zu Dokumenten für das türkische Konsulat.

Handelsregister und Firmenunterlagen

Auch Unternehmen brauchen juristische Übersetzungen, etwa für eine Niederlassung, eine Ausschreibung oder ein Bankkonto. Aus der Türkei kommen dabei oft drei Dokumente: die Veröffentlichung im Handelsregisterblatt (Ticaret Sicil Gazetesi), die Unterschriftenliste der Vertretungsberechtigten (imza sirküleri) und die Tätigkeitsbescheinigung der Kammer (faaliyet belgesi). Das Unterschriftenverzeichnis wird in der Türkei beim Notar errichtet und bekommt deshalb seine Apostille bei der valilik oder kaymakamlık.

In die Gegenrichtung geht häufig ein deutscher Handelsregisterauszug. Ihn führt das Registergericht beim Amtsgericht. Für die Apostille ist daher meist der Präsident des übergeordneten Landgerichts zuständig. Danach folgt die Übersetzung ins Türkische mit notarieller Beglaubigung in der Türkei.

Scheidungsurteile

Scheidungsurteile sind der häufigste juristische Auftrag. Ein türkisches Urteil, das in Deutschland gelten soll, braucht in vielen Fällen eine förmliche Anerkennung durch die Landesjustizverwaltung. Bevor Sie übersetzen lassen, klären Sie deshalb, welches Verfahren bei Ihnen gilt. Die Seite zur Anerkennung von Scheidungen beschreibt beide Richtungen.

So bereiten Sie das Dokument vor

  • Senden Sie das vollständige Dokument, auch Seiten, die Ihnen unwichtig erscheinen.
  • Bei Urteilen: die Fassung mit Rechtskraftvermerk und, falls vorhanden, Apostille.
  • Nennen Sie die Stelle, bei der Sie die Übersetzung einreichen.
  • Bei Vollmachten: den gewünschten Wortlaut oder das Muster der türkischen Stelle.

Wir halten für jeden Auftrag eine Liste der verwendeten Fachbegriffe fest. Kommen später weitere Dokumente aus demselben Verfahren, bleiben die Begriffe gleich. Fragen zu Ihrem Fall beantworten wir über das Kontaktformular.

Häufige Fragen

Geben Sie auch rechtlichen Rat?

Nein. Wir übersetzen und erklären Begriffe. Ob ein Urteil anerkannt wird oder wie ein Vertrag wirkt, beantwortet ein Anwalt oder die zuständige Stelle.

Reicht eine Teilübersetzung eines Urteils?

Nur wenn die Stelle das ausdrücklich zulässt. Gerichte und Landesjustizverwaltungen verlangen meist das ganze Urteil mit Begründung.

Wird eine türkische Übersetzung vor deutschen Gerichten angenommen?

In der Regel nicht, wenn das Gericht eine Übersetzung anordnet. Es verlangt dann meist einen in Deutschland zugelassenen Übersetzer.

Wie mache ich eine Vollmacht für die Türkei?

Beim türkischen Konsulat oder bei einem deutschen Notar. Bei der deutschen Urkunde folgen Apostille und Übersetzung ins Türkische, die ein türkischer Notar beglaubigt.